Meistens entstehen diese Gedanken bei mir ganz unspektakulär.
Früh morgens, erster Kaffee, MacBook auf, noch bevor der Tag richtig losgeht. Und dann lese ich wieder so einen Satz: „Webseite mit KI in 10 Minuten“. Klingt gut. Fühlt sich aber nicht richtig an.
Ich nutze selbst KI in meiner Arbeit. Täglich. Bewusst. Trotzdem stolpere ich immer wieder über diese Versprechen – und jedes Mal denke ich: Das ist keine Vereinfachung, das ist eine Verkürzung an der falschen Stelle.
Denn eine Webseite ist kein Baukastenprojekt. Sie ist Kommunikation. Und gute Kommunikation entsteht nicht unter Zeitdruck.
KI kann heute Layouts erzeugen, Texte vorschlagen und Seitenstrukturen anlegen. Das ist beeindruckend und hilfreich. Aber das, was dabei entsteht, bleibt zwangsläufig allgemein. Es sieht ordentlich aus, macht nichts falsch – erzählt aber auch nichts über dich. Keine Haltung, keine Persönlichkeit, keine Geschichte.
In meiner Arbeit ist KI ein Werkzeug, kein Ersatz. Wenn ich ehrlich rechne, macht sie vielleicht 15 % des gesamten Prozesses aus. Sie hilft mir beim Denken, beim Sortieren, beim Beschleunigen. Der Großteil passiert aber immer noch zwischen zwei Schlucken Kaffee: zuhören, nachfragen, Dinge verwerfen, Entscheidungen treffen. Genau dieser Teil lässt sich nicht automatisieren.
Eine gute Webseite beginnt nicht mit Design. Sie beginnt mit Klarheit. Wer bist du? Wen willst du erreichen? Was soll jemand fühlen, wenn er deine Seite besucht? Diese Fragen lassen sich nicht in zehn Minuten beantworten – egal, wie gut das Tool ist.
Das berühmte 10-Minuten-Ergebnis funktioniert deshalb nur oberflächlich. Die Seite ist online, ja. Aber online sein heißt nicht, dass sie wirkt. Viele dieser Seiten sind austauschbar, sprechen niemanden gezielt an und bleiben nicht im Kopf. Man klickt sie weg, so schnell wie sie geladen sind.
Gerade beim Branding wird dieser Unterschied deutlich. Ein Branding Kit ist keine Sammlung von Farben und Schriften. Es ist ein System, das festlegt, wie eine Marke spricht, wie sie sich anfühlt und wie sie wiedererkannt wird. KI kann Vorschläge liefern – aber sie weiß nicht, welcher davon der richtige ist. Diese Entscheidung braucht Erfahrung, Kontext und ein Gespür für Menschen.
Deshalb entstehen gute Webseiten nicht zufällig und nicht im Eiltempo. Sie brauchen Zeit, weil Vertrauen Zeit braucht. Weil Klarheit Zeit braucht. Und weil Wiedererkennung gestaltet wird – nicht generiert.
KI nimmt uns Arbeit ab, und das ist gut so. Sie beschleunigt Prozesse, eröffnet Möglichkeiten und spart Energie. Aber sie ersetzt kein Denken. Wer das versteht, kann mit KI großartige Ergebnisse erzielen. Wer nur auf Geschwindigkeit setzt, bekommt etwas Schnelles – und Vergängliches.
Wenn dir also jemand eine Webseite in zehn Minuten verspricht, bekommst du wahrscheinlich auch nur zehn Minuten Aufmerksamkeit. Wenn du willst, dass deine Webseite für dich arbeitet, dich widerspiegelt und im Kopf bleibt, braucht es mehr als einen Knopfdruck.
Ich nutze KI.
Aber ich verkaufe keine Abkürzungen.