Zum Jahresende wird es bei mir oft stiller.
Nicht nur draußen, sondern auch im Kopf.
Man schaut zurück.
Auf Dinge, die funktioniert haben.
Und auf Dinge, die man heute anders machen würde.
Webseiten gehören für mich inzwischen in diese zweite Kategorie –
nicht die der Fehler, sondern die der Erkenntnisse.
Ich habe gelernt, dass Eindruck kein Ziel ist
Ich kann Webseiten bauen, die auffallen.
Mit Effekten, Bewegung, Spielereien.
Ich habe das gemacht.
Ich weiß, wie sich das anfühlt.
Meine eigene Seite war lange genau das:
ein Spielplatz.
Ein Ort zum Ausprobieren.
Zum Testen von Ideen.
Zum Austoben.
Und das war wichtig.
Aber je länger ich mit echten Kunden arbeite,
desto klarer wird mir:
Das ist nicht das, was sie brauchen.
Sie brauchen keine Bühne.
Sie brauchen Klarheit.
Effekte sind schnell – Vertrauen braucht Zeit
Effekte wirken sofort.
Ein kurzer Wow-Moment, ein bisschen Staunen.
Aber Effekt ersetzt kein Gefühl von Sicherheit.
Was heute modern ist, fühlt sich morgen oft fremd an.
Was heute auffällt, kann morgen schon nerven.
Vertrauen dagegen entsteht leise.
Durch Wiederholung.
Durch Verlässlichkeit.
Eine Webseite muss nicht beeindrucken.
Sie muss tragen.
Menschen sind müde – Webseiten sollten es nicht sein
Viele Menschen kommen erschöpft ins Netz.
Zwischen Terminen.
Abends nach einem langen Tag.
Mit wenig Geduld.
Niemand will kämpfen, um Informationen zu finden.
Niemand will sich durch Gestaltung arbeiten müssen.
Ruhe im Design ist kein Verzicht.
Sie ist Rücksicht.
klare Texte
saubere Abstände
eine Schrift, die man nicht erklären muss
eine Struktur, die führt
So wie ein ruhiger Raum im Winter.
Nicht leer – aber aufgeräumt.
Eine Webseite ist kein Kunstwerk für die Wand
Ich sehe viele Webseiten, die wirken wie Ausstellungen.
Schön anzusehen.
Aber schwer zu benutzen.
Eine Webseite lebt im Alltag.
Auf kleinen Bildschirmen.
Mit Ablenkung drumherum.
Mit wenig Zeit.
Wenn man erklären muss, wie sie funktioniert,
ist sie zu kompliziert.
Gutes Webdesign fällt nicht auf.
Es hilft.
Zurückhaltung ist für mich kein Stil – sondern Haltung
Ich mag klare Dinge.
Nicht, weil ich nichts anderes könnte,
sondern weil ich weiß, wie schnell es zu viel wird.
Und ja:
Ich habe all das auch schon anders gemacht.
Auf meiner eigenen Seite.
Verspielt.
Lauter.
Mehr Wirkung, mehr Bewegung.
Nicht, weil es falsch war.
Sondern weil ich es brauchte, um zu verstehen.
Zurückhaltung heißt für mich heute:
nicht alles zeigen, was möglich ist
sondern nur das, was nötig ist
und das richtig
Eine ruhige Webseite sagt:
„Ich habe nichts zu beweisen.“
Und genau das wirkt oft am professionellsten.
Meine eigene Seite war mein Spielplatz.
Die Seiten meiner Kunden sind ihr Werkzeug.
Webdesign bedeutet Verantwortung
Eine Webseite beeinflusst Entscheidungen.
Ob jemand bleibt.
Ob jemand vertraut.
Ob jemand Kontakt aufnimmt.
Deshalb ist Struktur für mich kein Detail.
Lesbarkeit kein Trend.
Führung kein Marketing-Trick.
Es ist Alltagstauglichkeit.
Zum Schluss
Je älter das Jahr wird,
desto weniger habe ich Lust auf Lärm.
Ich glaube, gute Webseiten dürfen leise sein.
Klar.
Verlässlich.
Nicht gemacht, um Eindruck zu machen.
Sondern um zu bleiben.
So wie Dinge, die man nicht jede Saison austauscht –
sondern einfach gern benutzt.