Von verpixelten Bildern über Comic Sans bis hin zu „Unsere Webseite wird gerade überarbeitet“.
Wenn man ehrlich ist: Die meisten kleinen Unternehmen scheitern online nicht an fehlendem Talent oder Budget – sondern an Kleinigkeiten, die sich summieren. Ein paar schlechte Entscheidungen hier, ein „machen wir später“ dort, und plötzlich wirkt die Webseite wie eine Zeitreise ins Jahr 2009.
Das Problem: Kunden sind nicht mehr 2009.
Ihre Ansprüche übrigens auch nicht.
Als Webdesigner sehe ich täglich dieselben Fehler. Fehler, die nicht nur peinlich sind – sie kosten Vertrauen, Reichweite, Kunden und Umsatz. Und das oft schon, bevor jemand überhaupt den ersten Satz gelesen hat.
Heute räumen wir damit auf. Ganz offen. Ganz klar. Und ohne Bullshit.
1. Verpixelte Bilder – weil niemand Lust hat, eine Kartoffel zu betrachten
Es ist immer wieder faszinierend: Ein Unternehmen investiert tausende Euro in Geräte, Maschinen oder Ladenausstattung… und dann nimmt jemand ein Foto mit 480p-Handy von 2014, schiebt das durch WhatsApp – und lädt es genau so auf die Webseite.
Das Resultat?
Ein Bild, das aussieht, als hättest du es mit einer Kartoffel aufgenommen.
Warum es ein Problem ist:
Unscharfe Bilder schreien: „Uns ist Qualität egal.“ Und wenn das Bild schon schlecht ist, was denken Kunden dann über euren Service?
Besser machen:
– Fotos niemals über Messenger verschicken (WhatsApp komprimiert alles tot).
– Mindestens 1500–2000 Pixel Breite.
– Wenn nötig: Ein kleines Shooting mit dem Handy, aber richtig fotografiert – Licht, Perspektive, Fokus.
– Oder einen Profi engagieren.
Du weißt ja – ich kenne da jemanden.
2. Comic Sans oder Times New Roman – die Schrift, die Vertrauen tötet
Schriftarten sind wie Kleidung: Sie sagen sofort etwas über dich aus.
Und Comic Sans sagt vor allem eins:
„Ich habe aufgegeben.“
Times New Roman sagt:
„Ich war das letzte Mal 2010 kreativ aktiv.“
Warum es ein Problem ist:
Fonts sind Branding. Sie kommunizieren, ob du modern, hochwertig, seriös oder chaotisch bist. Schlechte Fonts machen eine Seite alt. Punkt.
Besser machen:
– Moderne, klare Schriften nutzen: Inter, Poppins, Lato, Space Grotesk – was zu dir passt.
– Maximal zwei Fonts kombinieren.
– Konsistent bleiben – ein Stil, eine Linie.
3. „Unsere Webseite wird gerade überarbeitet“ – der Satz, der seit 15 Jahren gelogen wird
Du kennst ihn. Jeder kennt ihn.
Und niemand glaubt ihn.
Warum es ein Problem ist:
Eine Seite, die offline ist, wirkt wie ein:
– geschlossenes Geschäft
– „Wir kümmern uns nicht“
– „Wir haben es nicht geschafft“
Kunden haben dafür null Verständnis. Sie klicken weiter – zur Konkurrenz.
Besser machen:
– Überarbeite die Seite im Hintergrund, nicht live.
– Nutze eine Landingpage mit klaren Infos, Kontakt, Öffnungszeiten, vielleicht sogar einem kleinen Lead-Magneten.
– Und bitte: keine Baustellenschilder aus Clipart-Zeiten.
4. Viel zu viel Text auf der Startseite
Viele Unternehmen denken:
„Wenn wir alles erklären, versteht jeder alles.“
Die Realität:
Niemand liest einen Roman auf der Startseite.
Texte sind wichtig, aber nicht so. Menschen scannen. Sie wollen Orientierung, schnelle Antworten und klare Angebote.
Warum es ein Problem ist:
– Die Seite wirkt überladen.
– Die wichtigen Infos gehen unter.
– Mobile Nutzer springen sofort wieder ab.
Besser machen:
– Eine klare Struktur: Problem → Lösung → Angebot → Vertrauen → Kontakt
– Kurze Abschnitte, klare Sätze.
– Wichtigstes nach oben.
– Rest auf Unterseiten oder Blog.
5. Keine klare Handlungsaufforderung (CTA) – wo soll der Besucher eigentlich hin?)
Viele Webseiten sehen schön aus, funktionieren aber nicht.
Warum?
Weil nirgendwo steht, was der Kunde tun soll.
„Ja, dann sollen sie uns halt anrufen.“
Tun sie aber nicht.
Kunden brauchen eine klare Führung.
Typische Fehlentscheidungen:
– „Kontakt“ ganz unten versteckt
– kein einziger Button
– 6 verschiedene Wege, um etwas zu tun
– Buttons ohne Zweck („Mehr Info“ – über was denn?)
Besser machen:
Pro Seite eine Hauptaktion, z. B.:
– Termin buchen
– Angebot anfordern
– Jetzt anrufen
– Produkt ansehen
Und diese Aktion klar hervorheben.
6. Unpassende Farben – Neon-Grün auf Rot ist einfach ein Angriff auf die Augen
Farben transportieren Emotionen.
Viele Webseiten wirken chaotisch, weil einfach „irgendeine“ Farbe genommen wird, meistens die Lieblingsfarbe von irgendjemandem – und plötzlich sieht die Seite aus wie ein explodierter Farbkasten.
Warum es ein Problem ist:
Farben erzeugen Stimmung. Eine Inkonsistenz lässt die Seite billig wirken.
Besser machen:
– Eine kleine, definierte Farbpalette (3–5 Farben).
– Klare Kontraste für Barrierefreiheit.
– Farben, die zum Unternehmen passen:
– Blau → seriös, vertrauensvoll
– Grün → ruhig, naturnah
– Orange → modern, aktiv
– Schwarz/Weiß → clean, edel
Bei Unsicherheit: Styleguide erstellen (ja, ich mache das auch).
7. Keine mobile Optimierung – obwohl die Hälfte aller Besucher vom Handy kommt
Wir leben 2025.
Und trotzdem gibt es noch Seiten, bei denen man horizontal scrollen muss (!) oder Buttons so klein sind wie ein Reiskorn.
Warum es ein Problem ist:
– Google straft schlechte Mobiloptimierung ab
– Nutzer springen ab
– Die Seite wirkt alt
Besser machen:
– Mobile Version zuerst prüfen
– Buttons groß genug
– Text gut lesbar
– Bilder richtig skaliert
– Keine Desktop-Fonts auf 320px Breite
Eine Webseite, die mobil gut aussieht, verkauft. Eine, die mobil furchtbar ist, kostet Umsatz.
Kleine Unternehmen unterschätzen oft, wie wichtig eine gute Website ist. Nicht „perfekt“, nicht „teuer“, sondern klar, modern, zielgerichtet.
Deine Webseite ist nicht nur eine digitale Visitenkarte.
Sie ist ein Verkäufer, ein Berater, ein Türöffner.
Rund um die Uhr. Ohne Pause.
Und du willst nicht, dass dieser „Mitarbeiter“ aussieht wie von gestern.
Wenn du diese sieben Fehler vermeidest, ist deine Seite bereits besser als 80 % aller kleinen Unternehmen.
Und wenn du es nicht selbst machen willst oder kannst –
nun ja… dafür bin ich da.
Mit viel Kaffee. Und ohne Comic Sans.