Wenn ich heute über Webdesign spreche, klingt das anders als früher.
Nicht, weil sich Tools geändert haben. Nicht, weil Trends kamen und gingen.
Sondern weil sich mein Blick darauf verändert hat.
Früher wollte ich zeigen, was möglich ist.
Heute will ich, dass etwas funktioniert.
Früher: Begeisterung, Tempo, Möglichkeiten
Als ich angefangen habe, war Webdesign für mich vor allem eins: Spielraum.
Animationen, Effekte, neue Techniken, neue Fonts, neue Layouts. Alles ausprobieren. Alles kombinieren. Alles zeigen.
Nicht aus Angeberei.
Sondern aus Begeisterung.
Das Web war eine große Spielwiese. Und ich wollte verstehen, was alles geht.
Hover hier. Bewegung da. Farben, die Aufmerksamkeit ziehen. Seiten, die Eindruck machen.
Und ja – das war wichtig.
Ohne diese Phase hätte ich vieles nicht gelernt.
Man muss Dinge übertreiben, um ihre Grenzen zu verstehen.
Aber irgendwann kommt ein Punkt, an dem man merkt:
Nur weil etwas geht, heißt das nicht, dass es gut ist.
Heute: Weniger Show, mehr Substanz
Heute arbeite ich anders. Ruhiger. Reduzierter. Konsequenter.
Nicht, weil ich weniger kann – sondern weil ich mehr gesehen habe.
Ich habe gesehen, wie Webseiten Kunden überfordern.
Wie sie Entscheidungen schwer machen.
Wie sie laut sind, ohne etwas zu sagen.
Wie sie beeindrucken wollen – und dabei Vertrauen verlieren.
Gutes Webdesign muss nichts beweisen.
Es drängt sich nicht in den Vordergrund.
Es erklärt sich nicht selbst.
Es ist einfach da – und funktioniert.
Warum gutes Webdesign oft unauffällig ist
Viele merken gutes Webdesign gar nicht bewusst.
Und genau das ist sein größter Vorteil.
Man findet sich sofort zurecht.
Man versteht, worum es geht.
Man weiß, was der nächste Schritt ist.
Keine Rätsel.
Keine Unsicherheit.
Keine Reizüberflutung.
Eine ruhige Webseite sagt nicht:
„Schau, was ich alles kann.“
Sie sagt:
„Du bist hier richtig.“
Und das ist schwerer zu erreichen als jeder Effekt.
Vertrauen entsteht nicht durch Lautstärke
Vertrauen ist leise.
Es entsteht nicht durch Bewegung, sondern durch Klarheit.
Nicht durch Überraschung, sondern durch Konsequenz.
Gutes Webdesign schafft Vertrauen, weil es:
verständlich ist
ehrlich wirkt
nichts versteckt
nichts aufdrängt
Es nimmt den Besucher ernst.
Es zwingt ihn nicht zu denken, sondern hilft ihm dabei.
Gerade für kleine Unternehmen, Selbstständige oder lokale Marken ist das entscheidend.
Denn hier geht es nicht um Reichweite – sondern um Beziehung.
Erfahrung verändert die Haltung
Nach all den Jahren habe ich gemerkt:
Webdesign ist weniger Technik als Haltung.
Es geht darum, Entscheidungen zu treffen – und Dinge bewusst wegzulassen.
Nicht jedes Element braucht Aufmerksamkeit.
Nicht jede Seite braucht alles.
Meine eigene Webseite darf Spielplatz sein.
Die Seiten meiner Kunden sind Werkzeuge.
Das ist ein Unterschied, den ich heute sehr klar ziehe.
Qualität zeigt sich im Detail
Gutes Webdesign erkennt man selten an einem einzelnen Element.
Sondern an der Summe:
saubere Abstände
klare Typografie
ruhige Farbführung
logische Hierarchie
konsistentes Verhalten
Das sind keine Dinge, die laut sind.
Aber sie sind spürbar.
Und sie wirken – langfristig.
Ein ruhiger Abschluss
Kurz vor Heiligabend fühlt sich dieser Gedanke richtig an.
Nicht als Fazit.
Nicht als Abschluss meiner Arbeit.
Sondern als Moment des Innehaltens.
Webdesign ist für mich heute kein Mittel mehr, um Eindruck zu machen.
Sondern ein Werkzeug, um Klarheit zu schaffen.
Und vielleicht ist genau das gutes Webdesign:
Nicht gesehen werden – sondern verstanden werden.